Lima

Als wir das erste Mal nach Lima kamen, dachten wir die 10-Millionen-Stadt wäre laut, grau, voller hupender Autos und sollte schleunigst wieder verlassen werden. Nun, da wir das drittemal hier aufschlagen, wissen wir es besser. Es gibt auch hier Ecken, die sich lohnen entdeckt zu werden.
Bei Jaime, unsrem Warm-Shower-Host, konnten wir über 4 Wochen die Räder unterstellen und nach der Wanderung bei Huaraz und Galapagos immer wieder zurück kommen. Der Stadtteil Jesus Maria, sein Einkaufszentrum mit der Wäscherei und den Café’s ist uns mittlerweile sehr vertraut. Fühlte sich ein wenig an wie Heimkommen, genial!

Was es in Lima zu sehen gibt:

Lima’s koloniales Zentrum

Wohin man auch schaut, überall stehen prächtige Kolonialbauten in Gelb-, Ocker- und Rottönen. Einige Holzbalkone ragen noch in die Straßen hinein, die seit Beginn der Neunziger zum Weltkulturerbe zählen.
Plaza de Armas
, mit dem pompösen Präsidentenpalast, hier ist besonders die Wachablösung ein gigantisches Spektakel, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die Kathedrale von Lima und der Palast des Erzbischofs daneben.

Das Kloster San Francisco (ein UNESCO Kulturerbe) mit seiner großen Bibliothek, den Katakomben und Skeletten von ca.75.000 Toten, ist eine Besichtigung wert.

Die Plaza San Martin:

Dort lohnt ein Blick ins Foyer des Grand Hotel Bolívar, einst das beste Hotel Südamerikas. Es fühlt sich an wie eine Zeitreise, das Mobiliar scheint noch von der Gründung zu sein und unser zweites Frühstück in der Hotelbar ist nicht teuer, dafür mit hohem Erlebniswert.

In der Mitte des Platzes thront die große Reiterstatue José San Martins, auf einem wuchtigen weißen Sockel. Auf einem Podest am Sockel ist eine kleinere Statue untergebracht: die Madre Patria, Perus symbolische Mutter. Amüsantes Detail ist die eigenartige „Krone“ der Madre Patria. Eigentlich sollte es eine Flamme sein, aber das Wort „llama“ hat zwei Bedeutungen (Lama und Flamme) und die Bildhauer haben die falsche Bedeutung gewählt 🙂 .

Der Mercado Central ist der passende Ort, um das authentische Leben Limas hautnah mitzuerleben. In dem riesigen Marktareal gibt es alles, was man sich nur vorstellen kann. Von Fleisch und Fisch, über Obst und Gemüse, Feinkost, bis hin zu Krimskrams, Schreibwarenartikeln,… alles ist zu finden. Dabei geht es wahnsinnig laut und trubelig zu. Und man kann gut und günstig essen. Hier gönnen wir uns Ceviche und Papa a la Huancaina.

Lima06

Mercado Central in Lima

Miraflores

Den „Malecon de la Reserva“, die Küstenstraße Limas im Edelstadtteil Miraflores, erkunden wir mit dem Rad. Zum eigentlichen Strand bricht die Küste dann gut 100 m tief ab, unten ist nur noch eine Schnellstraße und der Schotterstrand, hier radeln wir zurück. Ins Wasser trauen sich hier alleine schon wegen des kalten Humboldstroms (der auch für den deprimierenden Küstennebel verantwortlich ist) nur die hartgesottenen Surfer, Lima ist zumindest im Südwinter nichts um sich am Strand in der Sonne zu grillen.
Kilometerlang geht’s entlang der Küste, durch die gepflegten Parkanlagen mit zahlreichen Möglichkeiten für Ausblicke und Kaffeepausen. Hier flaniert die Bevölkerung, die das Arbeiten weniger nötig hat, Hundesitter führen gut angezogene Vierbeiner aus und Personaltrainer helfen den gut bezahlten Expats fit zu bleiben.  Und wer möchte kann dort oben einen Paraglidingtandemflug über Miraflores machen. Auf der anderen Straßenseite reiht sich ein teures Hochhaus neben dem anderen, Meerblick kostet.

Parque del Amor, ein kleine Park, der allen Verliebten gewidmet ist. In seiner Mitte befindet sich eine riesige Plastik mit zwei eng umschlungenen Verliebten. Sie heißt „El Beso“ (Der Kuss). Vom Park aus hat man einen traumhaften Blick über die Bucht Limas und auf den Pazifik. Vor allem zum Sonnenuntergang lohnt sich ein Besuch. Die mosaikverzierte Mauer mit Liebessprüchen dort ist ein super Fotomotiv.

Die Huaca Pucllana ist ein perfektes Beispiel für all die Wunder, die sich in dieser Stadt verbergen. Mitten in Miraflores befinden sich die Ruinen einer Pyramide, die zwischen 400 und 500 nach Christus von der Lima-Kultur erbaut wurde.
Erst in den Neunziger Jahren wurde mit der Restauration der in Vergessenheit geratenen Tempelpyramide (hier wurde das Meer und der Mond angebetet) begonnen, davor war es ein Müllberg, auf dem sich die Geländemotorradfahrer austobten! Die Ausgrabungen laufen noch.

Barranco

Barranco gilt als das Künstlerviertel Limas. Bunte Häuser und Restaurants reihen sich hier aneinander.
Mitten in Barranco überspannt die „Puente de los Suspiros“, die sogenannte Seufzerbrücke eine kleine Gasse Richtung Küste. Die Legende besagt, dass, wenn man die Brücke ohne Luft zu holen überquert, ein Wunsch in Erfüllung geht. Also: Tief einatmen, Luft anhalten und los.
Die Legende zu der Brücke erzählt: Die Tochter einer reichen Familie soll sich in einen einfachen Arbeiter verliebt haben. Und wie bei Romeo und Julia, unterband ihre Familie die Liebesbeziehungen. Die Arme saß nun todtraurig, wochenlang seufzend am Fenster ihres Zimmers und jeder, der die kleine Brücke überquerte, wurde begleitet von ihren herzzereißenden Seufzern.

Das Museo Larco:
Zu sehen sind wunderschöne Keramiken und Schmuckstücken der verschiedenen Prä-Inka-Kulturen. Neben den Ausstellungsräumen kann man auch die Lagerräume besichtigen, in denen, ungelogen, tausende Krüge, Töpfe und Figuren in deckenhohen Regalen gelagert werden. Uns haben die ausdruckstarken Gesichter und die unterschiedlichen Tiere als Krüge umgehauen.
Ein besonderes Schmankerl ist die Abteilung mit der „erotischen Töpferkunst der Moche-Kultur“. Fruchtbarkeit und Fortpflanzung spielten bei den alten Kulturen eine besondere religiöse Bedeutung und so kann man sich auf einige interessante, teils animalische Töpfereien gefasst machen. Nichts für prüde Gemüter 😉
Um die Villa, in der das Museum untergebracht ist, befindet sich eine herrlichen Gartenanlage, ein kleines Paradies, in der man die Hektik dieser trubligen Millionenstadt für kurze Zeit vergessen kann. An dem Garten ist auch ein Restaurant angeknüpft. Ich habe dort super gegessen. Wohin das Auge blickt, sieht man tropische Blumen, riesige Kakteen und grüne Rankepflanzen, Kolobris schwirren herum, eine echte Oase. Wir haben dort fast einen Tag verbracht.

Als unseren letzten Programmpunkt in Lima besuchen wir den Circuito Magico del Agua.
Er ist der größte Springbrunnenkomplex der Welt in einem öffentlichen Park (OK, Las Vegas und Dubai sind größer, aber privat betrieben). Die 13 elektronisch gesteuerten Brunnen sind hinter Machu Picchu das zweithäufigst besuchte Highlight Perus. Da gibt es den Brunnen der Fantasie, den Regenbogen-Brunnen und einen 35 Meter langen Wassertunnel, durch den man gehen kann – sie alle leuchten in verschiedenen Farben und bewegen sich zum Takt der Musik. Absoluter Höhepunkt ist aber die halbstündige audivisuelle Video- und Lasershow zum Thema Peru, die auf die Wasserfontänen projiziert wird.  

Danach sind wir hungrig und schließlich ist heute auch unser letzter Abend der Sabbatjahrreise und in Südamerika. Also genießen wir nochmal Pisco Sour und essen dann – ja, Burger im Papachos. Die sind aber richtig gut, so gut, dass man auch gefragt wird ob man sie rare, medium oder welldone will. Also nix Fastfood.

Jetzt sind wir am Flughafen in Lima und warten auf das Einchecken der Räder. ADIÓS SÜDAMERIKA! ! ! 

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